Brunello di Montalcino

Franco Biondi Santi, der „König von Montalcino” bei einem seiner letzten Spaziergänge auf seinem Gut „Tenuta Greppo”

diese website ist sehr „Brunello-lastig”, naja, ist ja auch mein Lieblingswein, ich hoffe dennoch nicht zu langweilen

...Brunello di Montalcino ... ein Begriff ungefähr so bekannt und so mystisch wie Aston Martin, Janis Joplin oder Zanzibar, jeder der sich ein wenig mit Wein beschäftigt, hat zumindest vom legendenumwobenen Wein aus der südlichen Toskana gehört. Bevor in den 90-ern der rieisige Boom des „kleinen Braunen” (so die Bedeutung des Namen, weil er leicht hellbraune Farbreflexe im Glas zeigt) im beschaulichen Bergstädtchen Montalcino einsetzte gab es 1989 knapp unter 80 Weingüter. Ich war in diesem Jahr zum ersten Mal selbst vor Ort, der damals noch ohne Amis/Japaner und sehr italienisch/erdig war, und hatte gerade erst begonnen Wein zu erforschen und zu verstehen. Unvergesslich mein Absturz im legendären „Caffe Fiaschetteria Italiana” ... hier gab es plötzlich diesen sagenumwobenen Stoff glasweise zu verkosten, mit über 20 offenen Flaschen des Kult-Tropfens. Soviel ich mich erinnere gab ich nach dem neunten „Achterl” w-o, habe es gerade noch in meinen Subaru Justy geschafft, und bei einem weltuntergangsähnlichen Gewitter mitten am Kirchenplatz meinen herrlichen Sangiovese-Rausch im Auto ausgeschlafen. Morgens weckte mich der Pfarrer und meinte, ich solle doch so höflich sein, und meine „macchina” von der Kirchentreppe wegfahren, damit die Leute die heilige Messe besuchen könnten... eingekauft habe ich damals einige wenige Flaschen des großen 1985-er Jahrgangs. Der „Il Paradiso” von Manfredi war sensationell (die Weine der Familie Guerrini gehören noch immer zu den Allerbesten!), meine letzte Flasche überlebte knapp das Millenium und wird mir ewig in Erinnerung bleiben, war es doch der erste selbstimportierte Brunello. Jetzt schreiben wir 2013 und in Montalcino gibt es 253 Weingüter!

Der Wein: ein echter Brunello besteht zu 100% aus einem nur in der Gegend rund um Montalcino angebauten Sangiovese-Klon, dem Sangiovese Grosso. Bevor er in den Verkauf geht muß ein Brunello zumindest vier Jahre am Weingut lagern, davon 24 Monate im Holzfass. Hier hat man die Gesetze ein wenig gelockert, und neben dem großen slawonischen Eichenfass auch Barriques mit 225l Fassungsvermögen zugelassen, was zu einem großen Boom dieser Fässer in den 90-ern und frühen 2000-ern führte. Die ganz klassische Ausbaulinie ist aber nach wie vor 36 Monate in großer slawonischer Eiche und ein Jahr in der Flasche (eine „Riserva” muß knapp 4 Jahre im Fass und mindestens 6 Monate in der Flasche reifen). Dieser Ausbau wird immer noch von den alteingesessenen Weingütern bevorzugt und auch immer mehr der neuen Betriebe greifen wieder auf die großen „Botte” aus slawonischer Eiche zurück. In manchen modernen Fattorien kommen allerdings ausschließlich die kleinen Barriques zum Einsatz, was natürlich den Charakter eines Brunello stark beeinflusst. Dazu gibt es interessante Forschungsergebnisse von Francesco Illy (ja - DER Illy aus Triest), der auf seinem kleinen & superfeinen Bio-Weingut „Podere Le Ripi” sehr viel mit Barriques arbeitet (legendär seine neue Pflanztechnik und der gleichnamige Wein „Bonsai”). Illy meint auf die Frage große Botti oder kleines Barrique erklärend, dass dies zwei völlig verschiedene Alterungsprozesse beim Wein hervorruft. Im Barrique altern die Weine in einer oxidativen Atmosphäre, und in den großen Botti in einer reduktiven Atmosphäre. Die Oberfläche des Fasses im Verhältnis zum Wein reduziert sich drastisch wenn das Fass größer ist und auch die Stärke des Holzes ist beim Barrique viel kleiner. Davon hängt auch die Menge an Sauerstoff die an den Wein gelangen kann ab. Hier ist dann die Schnittstelle wo die Menge an Sauerstoff die der Wein benötigt größer ist als die Menge die das Fass durchlässt: das ist der Moment wo die Atmosphäre im Fass sich von oxidativ zu reduktiv ändert! Was nun passiert ist, dass die „Anthiocyanins” genannten Farbmoleküle rotbräunlich werden, wenn sie sich in einer reduktiven Atmosphäre befinden, wohingegen sie die original dunkelblaue Farbe behalten, wenn die Atmosphöre oxidativ ist. Daher erklärt sich auch der Name „Brunello”, weil der Wein historisch in großen Fässern ausgebaut wurde (und wird) und sich in einer reduktiven Atmospähre befindet. Modern in Barriques und Tonneaux ausgebaute Brunellos haben dagegen eine dunkelrot/lila-bläuliche Farbgebung!

Franco Biondi Santi, dessen Großvater Ferruccio Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Tenuta Greppo (dem legendärsten Weingut Montalcinos) das weltberühmt gewordene Klon der roten Rebsorte entdeckte, konnte einer potenziellen Lockerung der Produktionsregeln nichts abgewinnen und war auch gegen die Verringerung der Fassreife von 36 auf 24 Monate . Das Geheimnis des Brunello sei "Sangiovese in purezza", in absoluter Reinheit, sagte der alte Patriarch, der am 7.4.2013 mit 91 Jahren verstorben ist, einmal der "Süddeutschen Zeitung". Ein Brunello brauche Zeit. Der Weinbaron aus Montalcino war immer fest entschlossen, das Erbe seines Großvaters beherzt zu verteidigen, es bleibt zu hoffen, dass die Erben auf der Tenuta Greppo seinen Auftrag weiterführen!

Jahrgänge: der Jahrgang 2010 zählt bereits jetzt zu den Allerbesten, die in Montalcino jemals vinifiziert wurden, 1997 war nach Expertenmeinung ebenfalls einer der größten Jahrgänge seit 1945, gefolgt von 2006 und aktuell 2007. Jetzt scheiden sich bei den „Weinpäpsten” die Geister, ob 2006 besser als 1997 ist, oder gar 2007. Auch mancher Riserva aus 2004 soll das Alles überragen. Wen es interessiert: die anderen offiziellen 5-Sterne Jahrgänge lauten 1955, 1961, 1964, 1970, 1975, 1985, 1988, 1990 und 1995. Die wirklichen Insider (sie haben keine wirtschaftlichen Interessen so wie die „Sterntaler” Parker und Co, die ja von hoch bewerteten Weingütern wieder Werbeplatz in ihren Medien geschaltet bekommen) wie Kerin O`Keefe, Tim Atkin und auch einige alte Weinbauern aus Montalcino sehen das etwas anders: O`Keefe meint gar 1997 sei völlig überbewertet, und sämtliche Brunellos die damals in den bereits aufkommenden Barriques ausgebaut wurden hätten schon das Zeitliche gesegnet, einzig die in den großen Eichenfässern gereiften Brunellos seien noch geniessbar. Sie empfiehlt diesen Jahrgang umgehend zu trinken, so man Weine dessen im Keller hat, einzig Biondi Santi solle man „halten”. Auch Tim Atkins, angesehener Sommelier und wahrer Montalcino-Kenner sieht die offizielle Jahrgangsbewertung anders, er gibt für 1999 fünf Sterne, für 2007 dafür nur 4. Dies alles hängt auch mit 5 völlig verschiedenen (offiziell nicht anerkannten, aber von vielen Winzern geforderten) Klimazonen im Anbaugebiet zusammen, sowie mit der Tatsache, dass einige Weingüter bis zum „Skandal” 2007 ihre Brunellos mit kleinen Mengen Merlot und Syrah impften und so schneller antrinkbar machten (was ja auch durch Barrique-Ausbau beim Brunello erzielt wird). Laut Atkins kamen mit 2008 - also nach dem „Brunellogate” - wieder die „ersten wirklich 100%-igen” Brunello dieser „schwarzer Schafe” seit vermutlich 15 Jahren in den Verkauf.  (Namen dazu bei den Portraits)

Flaschen mit gereiften Weinen in Montalcino zu finden ist kein Problem - wenn man Geld hat ... ein 1970-er Biondi Santi „Il Greppo” kostet ca 1.200.--, 1997 immerhin auch schon 400.--, somit ist ein 2007-er mit 97.-- gut angelegtes Geld (Preisgefüge 2013), ging doch der Preis in nur 10 Jahren um das Vierfache des Einkaufspreises hinauf. Und haltbar sind Biondi Santis Weine, in einem gut klimatisierten Keller schaffen die Brunello Annata locker 30-40 Jahre, danach kann man sie aufs Weingut nach Montalcino zum umkorken = „topping up” bringen, einige Freaks machen das! Auf der „Tenuta Greppo” lagern trinkbare Brunello zurück bis 1888! Auch die Brunello von Case Basse, Cerbaiona und einigen anderen Gütern sind extrem lange lagerfähig, ebenso gesucht und sehr hochpreisig. (Solderas rare Brunellos sind nicht unter 300.-- zu bekommen)

Dieser Hype hat natürlich – trotz Wirtschaftskrise - auch einen enormen Verkaufserfolg und viel Geld nach Montalcino gespült, es herrscht noch immer Goldgräberstimmung, und Montalcino ist ein „wirtschaftliches gallisches Dorf” das der massiven Rezession erfolgreich entgegen hält. Abermillionen von Euro werden investiert, verfallene Bauernhäuser entweder in hochmoderne Fattorien verwandelt, oder von Verfechtern der organisch-biodynamischen Landwirtschaft behutsam in sehr traditionellem Stile geführt. Industrielle, Aussteiger, Künstler, Architekten, Anwälte ... die Liste der Neowinzer ist bunt und lang (so wie mittlerweile ihre Weine), und manchen gelingen auf Anhieb sensationelle Brunello. „Anhieb” bedeutet aber, so man nicht Land mit alten Weinstöcken erwerben konnte, was selten und SEHR teuer ist, bei neu ausgepflanzten Reben und der Tatsache der fast fünfjährigen Reifung des Weins am Gut ein RIESIGES Investement und kein kleineres Risiko ... nur mitterweile wird das Land in der Gegend knapp, unter Experten fragwürdige Böden werden mit neuen Sangiovese-Klonen bestockt und das DOCG-Gebiet lässt sich auch nicht beliebig ausweiten - GUT SO!

Preise: man kann - mit Glück - bereits mit einem Brunello, den Hofer ab und zu im Angebot führt einigen Spaß haben, ein von mir erworbener 2007 San Filippo ist so ein Wein um sagenhafte 15,99! Nach drei verkosteten Flaschen kann ich sagen: ein echter Brunello, zwar kein Lagenwein, aber dennoch schon akzeptables Rotweinkino! Auch das Topweingut Val di Suga war mit einem tollen 2007-er Brunello, der dem „Gambero Rosso” begehrte „Tre Bicchieri” wert war, bei www.ronaldi.de um unglaubliche 18,95 zu bekommen!

Um ca 25.— gibt es bereits wirklich SEHR gute Weine, interessant wird es in der Gegend zwischen 30.-- und 50.--, und nach oben hin gibt es fast keine Grenzen, so man auf der Suche nach eben speziellen Jahrgängen oder einem Soldera ist ...

Händler: da unsere österr. Händler alle nur sehr wenige Weingüter listen, finden sie nur am Rande Erwähnung, Wein & CO und Wagners Weinshop sind zu empfehlen.

Äusserst gut, auch mit kleinen gesuchten Winzern und bis in die 1960-er weit zurück reichend bestückt: http://www.barolobrunello.de

 www.superiore.de ist gut sortiert, liefert prompt und hat 35 verschiedene Top-Weingüter aus Montalcino gelistet, die meisten mit voller Produktpalette, also vom Rosso über Brunello bis zur Reserva. Vom hoch bewerteten „Einsteiger-Brunello” „Poggio Castellare”  um bereits 25.—bis zum gesuchten „Cerretalto” von der Casanova di Neri um 200.--

bestellen kann man natürlich direkt in Montalcino:

http://www.enotecadipiazza.com ... einer der größten online Brunello Händler der gleichnamigen Vinothek aus Montalcino mit SAGENHAFTEN Angeboten, inklusive vielen „Old Vintage” Weinen. Superschnelles Service, mehr oder weniger Ab-Hof Preise und für 26.-- wird ein 6-er Karton express nach Österreich zugestellt. (Auf Bitte besorgt man fast Alles!)

oder bei www.winebrunello.com oder bei  http://www.dalmazio.com

 

 

 

wunderschöne Sequenz bei Montalcino (© Andreas Jancso)

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gabri | Antwort 09.02.2016 12.47

Italienische Spezialitäten, gut und biologisch, mit Zerfikate DOP, DOC, IGT.
www.briciolebollicine.com
rinnova@virgilio.it

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Neueste Kommentare

23.08 | 21:30

Gratuliere!! Allesamt wunderbare Weine!

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28.06 | 13:15

Mein Lieblings-Weingut ist Fattoi. Super schöner Brunello und super nette Leute. Im Oktober bin ich wieder da.

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28.06 | 13:12

Hallo Hasi,
ich habe unser Womo wieder mit Vino vollgeladen.30 Kisten v. Baricci,Le Potazzine,Piccolomini,Ten.di Sesta,Fattoi,Lisini,Biondi Santi+Poggio di Sott

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26.05 | 14:16

Das ist es wohl: das Leben voll auskosten, weil es durch nichts anderes ersetzt werden kann. Hingabe an das Schöne, der Brunello als Gottesbeweis für Agnostiker

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