Kurzbesuche hier und dort

Wein, MUSIK & Kulinarik/Wachau-Tour

am Weingut Andreas Eder / Mauternbach-Wachau

8.8.2021:

11:00 Treffpunkt Melk/Stift - wir nehmen Ingrid, Hermi, Edi und Poidl, die noch immer ahnungslose Verwandtschaft aus OÖ, zu uns in den Voyager. In einer kurzen Einleitung bitte ich um Stille im Van während der Fahrten zu unseren Etappenzielen, um die Schönheit des Fluß-Tals mit der choreographierten Musikbegleitung verschmelzen lassen zu können. Die ersten Zettel der „Schnitzeljagd” mit Infos zum ersten Ziel (Rollfähre Arnsdorf) werden ausgeteilt, ein erstes Staunen bei den Gästen (viel Staunen wird folgen). Am Südufer gehts in die Arnsdörfer. Die eigens zusammengestellte Playlist startet mit „Theme from Winnetou” (!), Herbert Pixner begleitet uns mit einem Walzer am Kloster Schönbühel vorbei, bevor der Danzer Schurl noch „Amoi d`Sunn aufgeh`” lasst und uns Hubert von Goisern mit „Meiner Seel” an der Burg Aggstein vorbei begleitet. Mit dem Wiener Zitherquartett und ihrem „Harry Lime-Thema” treffen wir am Anlegesteig der Rollfähre ein.

11:30 Überfahrt mit dem mit ca 50 Fahrradttouristen zum Bersten vollen Schiff am Drahtseil nach Spitz mit Kurzbesuch in der Camera Obscura an Bord. (Beim Ablegen lassen wir volles Rohr den Donauwalzer vom Neujahrskonzert 2019 aus der feinen Bose-Anlage schwingen, die Touristen geben standing ovations, der Fährmann nickt lächelnd und obendrauf fährt noch das Schiff „Die Wachau” vorbei.)

12:00 Während die nächsten „Schnitzeljagd-Zettel” mit Infos zu Etappenziel 2 studiert werden, leitet uns die Trachtenkapelle Spitz mit dem Wachauer Hauermarsch in den Spitzer Graben nach Laaben. Mittagessen und erster „flight” am Weingut Christoph Donabaum. Gute Jausn aber etwas enttäuschende Weine (die Vorschusslorbeeren kann ich nicht nachvollziehen). Die Veltliner (im Federspiel & Smaragd-Bereich) kommen sehr flach daher. Wir sind alle sechs derselben Meinung. Somit diesmal kein Wein-Einkauf in Spitz. Abfahrt aus Laaben mit der „Reblaus” von Hans Moser. Ein Ländler von „Aufstrich” und das „Wödliad” von Ursula Strauss & Ernst Molden lassen uns flußabwärts Richtung Weißenkirchen schweben, mit Traum-Blick auf die, dem Seiberer vorgelagerten, Rieden.

14:00 Auf den „Schnitzeljad-Zetteln” unserer Gäste ist nun eine angemeldete Verkostung in einem der schönsten Bau-Juwele der Wachau, dem barocken Prandtauerhof bei Familie Holzapfel angekündigt. Ehrfurchtsvoll betreten wir den traumhaften Innenhof und werden vom Padrone empfangen. Von der Steinfeder über Federspiel bis zu den Smaragden lässt uns der sehr sympatische Karl Holzapfel durch 9 GV und Rieslinge „fliegen”, die mich ALLE begeistern. Herausragend: GV Smaragd „Achleiten” 2019. Das ist Wachau pur ohne „Schischi Schascha”! Die ersten Kisten werden im Van gebunkert.

Das Menuet aus Mozarts Symphonie #36 führt uns an den Rieden Achleiten und Klaus vorbei, während Andre Heller „Im Anfang Woa Dei Mund” intoniert. Mit Trude Mallys Dudler „Die Schiffsleut`Am Wasser” biegen wir in die steil ansteigende, für den Durchzugsverkehr gesperrte, Straße hinauf nach Dürnstein, vorbei am Geheimtip „Küfferkeller”. Vor dem Schloß Dürnstein lasse ich alle aussteigen und während meine Frau unsere Gäste durchs schütter besuchte Dürnstein führt (Segen oder Fluch?), wende ich und warte an der anderen Seite der weltbekannten mittelalterlichen Stadt am Parkplatz.

Nachdem wieder alle - mit Papiersackerln voller „Schmidl-Laberln” (die Dürnsteiner Bäckerei Schmidl ist eine Institution und liefert die ORIGINALEN Wachauer Laberl für fast alle Heurigenbetriebe des Weinbaugebiets) im Auto sind, halten uns Gerhard Bronner und „Quasi” Qualtinger bei der Domaine Wachau das „Krügel vors Gesicht”. Ich biege nach dem großen Betrieb der Winzergenossenschaft scharf links ein - über die Schienen der Wachaubahn nach hinten zum „Kellerstöckl” der Domaine Wachau - wunderschön das Gelb des Barock-Gebäudes mitten in den sattgrünen Rieden!
Durch Unterloiben erklärt uns Wolfgang Ambros, in seiner Version des Schrammel-Klassikers, dass er sein „Schlüsselloch net finden” kann, wir rollen am vollen Parkplatz der Knolls vorbei. Leo Alzingers Einfahrt blitzt auf, Erika Pluhar singt „Bel Ami”, und bevor wir uns wieder in die Wachaubundesstrasse einordnen (wo wir kurz das Weinbaugebiet Wachau verlassen), kommt der „Tausendguldenschuss”!!
Die angekündigte Unwetterfront, die sich mit dem wirklichen Eintreffen Gott sei Dank Zeit lässt, hat als Vorboten einzigartige Lichtstimmungen gezaubert und in der Ferne strahlt nun Stift Göttweig - von der Sonne als einziger Flecken weit und breit hellst erleuchtet - wie ein Raumschiff durch stahlgraue Wolken. Was für ein Anblick!
Mit Maly Nagls „Mei Alte sauft soviel wia i” queren wir auf der 1895 eröffneten Mauternerbrücke die Donau, wir sind wieder am „Südufer”, linkerhand der Nikolaihof im Zentrum von Mautern, und fahren wenige km flußaufwärts.

15:30 angemeldete Verkostung am Weingut Andreas Eder in Mauternbach. JETZT wirds schwierig, ich kenne die Weine von Andreas und seinen mehr als umfangreichen Sorten & Lagenspiegel. Dazu kommt der Umstand, dass er auch das Propstei Weingut Krems führt, also 2 Weingüter mit 2 verschiedenen Linien unter einem Dach und KEIN einziger Wein der nicht zumindest interessant wäre! UND - der Hausherr möchte ALLE seine Weine vorstellen! Wir verkosten: GV Steinfeder, Rose, GV Federspiel, GV Federspiel Süssenberg, Muskat Ottonel Federspiel, GV Smaragd Süssenberg, Traminer Smaragd, Riesling Smaragd, Muskat Ottonel Smaragd, Muskateller Smaragd, sowie aus der Propstei: GV Messwein, GV Sonnenkind, Chardonnay, Riesling Silberbichl, Riesling Sekt.
Die Einkaufsliste wird länger und länger, alle kaufen ein und der Voyager ist zuguterletzt schwer beladen. So schwer wie die Schritte unserer Gäste, die doch schon in ihren satten 70-ern, aber noch immer in allerbester Stimmung sind.
Andreas Eder ist (nicht nur für mich) einer der aktuell besten und interessantesten Winzer der Wachau! Chapeau!

17:30 Den als „Gag” geplanten Einkauf am Weinautomaten der Familie Polz in Rührsdorf müssen wir sausen lassen um unseren Tisch am Weingut & Heurigen Lahrnsteig in Hofarnsdorf nicht zu verlieren. Es erwartet uns einer der stilvollsten Heurigen der Wachau, wunderschöner Garten, sowohl Donau- als auch Riedenblick, die Tische teilweise unter den Marillenbäumen, alles blitzsauber und das Personal trotz vollem Haus mehr als schnell. Es kommt nochmals eine wunderbare Jausn - mit vielen Wild-Produkten aus der eigenen Jagd - auf den Tisch und dazu als Abschluss mehr als würdige Weine. Der Chardonnay Smaragd „Hoferthal”, der GV Smaragd „Poigen” und der Riesling Smaragd „Trauntal” sind auf Augenhöhe mit Andi Eders Weinen! Der Einkauf muss aus Platzgründen verschoben werden.

Als wir aufbrechen ist das Wetter seltsam ruhig ... und nach wie vor trocken. Wetterleuchten in der Ferne und eine fast spürbare Spannung untermauern aber, dass sich etwas „zusammen braut”. Wir fahren mit einer Schrammel-Version von „Wiener Blut” ab, bevor Michael Heltau uns vor Aggstein „Mein allerletzes Glas” serviert. Ein Schubverband stampft neben uns die Donau hinauf, während Reinhard Mey mit „Grüß Dich Gestern” den nahenden Abschied ankündigt. Wir nähern uns Melk und als aus den Lautsprechern „Gschbiasd En Regn” von Ernst Molden & Willi Resetarits schwingt beginnt es tatsächlich leicht zu regnen!!! Es sind große schwere Tropfen, die allerdings in Melk wieder verschwunden sind und unsere letzte Überraschung zur Verabschiedung ermöglichen.

Wir parken direkt unter dem mächtig aufragenden Stift Melk neben der Donau, was für Verwirrung sorgt. „Wir sind da, ihr müsst Euren Einkauf zurück zum Stift-Parkplatz leider selber tragen” witzelt Renate. Ich öffne die Heckklappe, fordere alle zum Aussteigen auf und während es nun bei noch immer anhaltender, seltsamer Windstille schon blitzt und donnert, hole ich die mitgebrachten Brunello-Gläser aus der Schachtel, teile diese an die erleichterte Runde aus, kitzle meinen Korkenzieher aus der Messertasche der Lederhose, öffne einen Brunello 2010 von Col DÒrcia  und befülle die Gläser. Wir stoßen an, nehmen einen kräftigen Schluck und freuen uns über den mächtigen Sangiovese nach all den Weißweinen des Tages. Auch der zweite Schluck ist kein kleiner.
Und dann bricht die Hölle los! Wie auf Knopfdruck fegt uns ein orkanartiger Sturm um die Ohren, die Schleusen im Himmel öffnen sich und sintflutartiger Regen prasselt auf uns nieder - wir kommen gerade noch dazu auszutrinken, flüchten wieder in den Voyager und fahren zum Stiftsparkplatz, wo - einziger Wermutstropfen des Tages - das Umladen des Einkaufs der OÖreicher nicht ohne völlige Durchnässung abgewickelt werden kann. Wir winken uns durch die Autofenster ein Auf Wiedersehn zu (Auseinandergehen a la „social distancing”, aber diesmal nicht verursacht durch - „eh scho wissen”) und nehmen die letzten 20 km nach St.Pölten auf. Wachau, Wachau - bis bald!

Nachsatz: Unser 18-jähriger Russel/Dackel-Mix Felix und die kleine Hündin Mia von Ingrid haben sich mehr als wacker geschlagen und waren an diesem Tag heldenhafte „Wein-Hunde”!

Lorenz & Peter mit MARTIN BERGKIRCHNER - Wachau März 2021

„WACHAU abseits der Granden”

den Titel habe ich dem deutschen Weinforum entnommen, wo es einen gleichnamigen thread gibt, den ich sehr passend finde. Nun gut, am 11.3.2021 ging es also - wieder einmal - in die Wachau, diesmal hatten wir uns 5 Weingüter ausgesucht, die wir nur vom Hörensagen kannten und den Nachmittag mit den Winzern zeitlich vielleicht ein wenig zu eng festgelegt, auch weil ich nicht wußte ob wir wg Corona etwas kosten würden können, oder „nur” kaufen.

Von St.Pölten die übliche Route durch den Dunkelsteinerwald nehmend - wenns in die westliche Wachau gehen soll - erreichten wir nach 20 Minuten Aggsbach Dorf und entlang der Niederwasser führenden Donau, vorbei an der immer wieder beeindruckenden Ruine Aggstein gings zu den Arnsdörfern.

Erste Station um 13:00 bei MARTIN BERGKIRCHNER in Mitterarnsdorf - einer der jungen „Rebellen”, der um Falstaff/Medaillen/Punkte usw. einen sehr großen Bogen macht und völlig alleine auf 6 ha sein Bio-Ding durchzieht. Nach internationalen Stationen auf Weingütern in Deutschland, den USA, Südtirol und auch in der Wachau kehrte er auf den kleinen Hof der Familie zurück, begann alles umzudrehen und brachte 2015 seine erste eigene Ernte auf die Flaschen. Wir wurden herzlich begrüsst und mit sicherem Abstand konnten wir ohne Masken die neu gefüllten Weine des schwierigen 2020 verkosten. Vom herrlich frischen Zweigelt Rose Secco, über einen aussergewöhnlichen Gelben Muskateller bis hin zu zwei GV Federspiel von den Rieden Poigen und Scheibenthal. WAS FÜR WEINE, ich knie nieder! So geht Grüner Veltliner - genau so!

Im blitzsauberen alten Keller, tief unter dem Hof, gewährte Martin uns dann noch Fassproben von GV Smaragd Poigen und Riesling Smaragd Hoferthal, die im Mai gefüllt werden. In Summe war dies eine der coolsten Winzer-Begegnungen in der Wachau für mich, Martin völlig auf meiner/unserer Linie - mein Freund Peter und Sohn Lorenz (kommend aus der Spitzengastronomie) waren mit an Bord! Martin Bergkirchner wollte uns noch so viel erzählen, doch die Zeit drängte, denn um 14:00 stand der nächste Termin am Plan - ABER - lieber Martin WIR KOMMEN WIEDER! Bald!!!

Nun nach MAUTERNBACH: mit gemächlichem Tempo fuhren wir weiter das Südufer flußabwärts und um Punkt 14:00 erreichten wir tatsächlich Mauternbach, wo wir vor dem nächsten Keller-Termin noch beim Bio-Gut „JAKOB WEIN” eine geniale „Schmankerlkiste to go” mit Speck vom Mangalitza-Schwein, Käseplatte, Gebäck, selbst gebackenem Brot und natürlich einer Flasche bestens gekühlten hauseigenen Riesling Federspiel 2019 (der übrigens vorzüglich war!) an Bord nahmen. 100 m weiter dann der - fürs kleine Dorf große - moderne Neubau des Familienweinguts EDER, das auch das Kremser Propsteiweingut in Pacht betreibt, und mit dem Neubau endlich beide Keller zusammenführen konnte (natürlich wird getrennt geerntet/vinifiziert). Zuerst freundlich zurückhaltende maskierte Bergrüßung, bis nach wenigen Minuten die Sicherheitsabstände festgelegt waren, Masken runter denn mit Maske kann man ja schwer Wein trinken, und jetzt das RIESENPROBLEM: „Was verkosten?” Bei gut 24 verschiedenen Weinen aus beiden Gütern starteten wir mit dem einfachen GV Messwein des Propsteiweinguts, einem reschen Bilderbuch-Veltliner. Daan weiter zum mit 92 Punkten vom Wine Enthusiast ausgezeichneten GV Federspiel „Süssenberg” aus 2019. Ein toller Wein, der uns danach auch noch in der Smaragd-Qualität und aus 2018 nachgeschenkt wurde - WOW! Mit Smaragd-Flasche und Gläsern bewaffnet führte uns die junge Chefin nun auf die Sonnenterrasse mit Blick auf die Donau und den Loibenberg und zeigte uns ihre Weingärten der Ried Raubern. Zwischenzeitlich kam der fast erlösende Anruf des eigentlich nächsten Winzers GÜNTHER KENDL aus Rührsdorf, dass er eine Autopanne hätte, uns nicht persönlich empfangen könne, aber ein paar Wein-Kisterln mit Erlagschein & Rechnung vor der Kellertüre für uns abstellen würde. Perfekt! Das nahm jetzt den Druck der zu dicht geplanten Tour heraus! Der bis jetzt schon reichlich konsumierte Wein (spucken „spüds ned”!) liess die Erinnerung an unsere Schmankerlkiste im Auto hochkommen, doch zuvor kredenzte uns Frau Eder noch einen grandiosen Muskat Ottonel Smaragd aus 2019.

Sämtliche verkosteten Weine wurden wie schon zuvor bei Bergkirchner in kistenformat erworben, ins Auto geladen, mein Hund Felix, der sich trotz seiner 18 Jahre bisher wacker geschlagen hatte ebenfalls wieder ins Auto gelupft, und es ging donau-aufwärts zurück in die Arnsdörfer, zur einzigen in Betrieb befindlichen Rollfähre zum anderen Ufer. Zuvor noch Halt bei Kendl, ja es stehen 2 Kisten vor der Kellertüre. Wir halten nicht mal Nachsicht womit sie gefüllt sind, könnten auch Steine sein. Weiter gehts, bis ich einen schönen Aussichtspunkt in der höher gelegenen Ried Poigen entdecke und ein Stück bergan fahre, den Güterweg hinauf in den Weingarten nehme und neben den Rebanlagen den Voyager abstelle. Heckklappe auf, mitgebrachte Gartensessel und Tisch aufgeklappt und unsere Schmankerlkiste serviert - herrlich. Sogar die Sonne kommt jetzt raus und macht die 5 Grad erträglich. Auf ihren kleinen Traktoren vorbeituckernde Winzer winken uns lachend zu und zeigen mit den Daumen nach oben - wir sind willkommen hier zu picknicken! Nachdem Felix die letzten Speck- und Bröselreste weggefegt hat geht es noch ein letztes Stück die Donau hinauf und durch die Ried Mitterbirg bis zur Rollfähre. Wir sind das einzige Auto, welches auf eine Überfahrt wartet. Dennoch legt die Fähre vom anderen Ufer in Spitz sofort ab, lässt uns aufs Deck rollen und der Zeitplan mit 16:30 beim Weingut SCHNEEWEIS in Spitz hält bombenfest!

Am Anfang des Spitzer Grabens, direkt am Fuße des Tausendeimerbergs gelegen, sind wir nun auf einem „oldschool-Betrieb” wie aus der Perlenreihe gelandet. Die ganze Familie ist hier beschäftigt, man „kommt durch” aber „der Hagel letztes Jahr war eine Katastrophe, uns hats voll erwischt, 100% der Reben in drei unserer besten Rieden vernichtet, Totalausfall eines ganzen Arbeitsjahrs!” Der Hausherr ist auch hier sehr bemüht Mindestabstand einzuhalten und zeigt stolz seinen Hang zu sehr präzisen aber wuchtigen Weinen. Vieles kommt in Smaragd-Qualität daher, was ja meinen Geschmack trifft. Schneeweis ist einer der ganz wenigen Winzer in der Wachau die noch Neuburger vinifizieren und die daraus geschaffenen Smaragde des Hauses sind eine Bombe! Er lässt es sich nicht nehmen sämtliche seiner Smaragde für uns zu öffnen und meint „ich komme momentan eh so wenig dazu Smaragd zu trinken, das passt schon”. Wir kaufen GV Federspiel „Großlage Spitzergraben” aus 2019, Neuburger „S” (ein nicht deklarierter Smaragd) und GV Smaragd „Großlage Spitzer Graben” aus 2018.

Der Abschluss unseres wunderbaren Nachmittags ist eine Zeitreise zurück in die gefühlten 1960-er des österr. Weinbaus. Zum ersten mal am heutigen Tag mit Verspätung, landen wir bei Sonnenuntergang mitten in Joching. Direkt neben einem der Leitbetreibe der Wachau - SCHMELZ - befindet sich ein kleiner Bauernhof, auf dem die Zeit vor 50 Jahren angehalten wurde. Wir sind bei HANS BÄUERL gelandet, dessen Name in Insider-Kreisen hinter vorgehaltener Hand gehandelt wird „nix weida sogn, owa den Bäuerl sei Wei is a Waunsinn und sooo büllig!” So etwas findet man nur mehr äusserst selten wenn überhaupt. Herzliche, wenn auch distanzierte Begrüßung durch die Seniorchefin, die trotz ihrer knappen 80 Jahre noch die komplette Arbeit auf 7ha Rebanlagen erledigt. Ob unserer Lockerheit und Freundlichkeit „taut” aber auch sie ebenfalls „auf” und erzählt uns mit Sicherheitsabstand und Maske den einen oder anderen Schwank aus dem harten Leben am Hof. Zwischenzeitlich taucht auch der sichtbar schüchterne „Junior” und Kellermeister selbst auf, erzählt uns ebenfalls von dem fürchterlichen 2020-er Hagel und verschwindet wieder im Keller um noch Fässer zu reinigen. Die aktuellen bereits gefüllten Weine stehen auf dem Tisch, wir sollten doch selber einschenken, was wir kosten wollten. GV aus den Lagen Pichl Point und Stein am Rain finden den Weg in unsere Kehlen und ein mehr als großartiger Frühroter Veltliner Gaisberg ebenso. „Für die Smaragde müssts im Mai wieder kommen” meint die Chefin. Genaus DAS werden wir tun und ziehen auch hier mit Kisten bepackt ab um den kurzen Rückweg nach Hause, begleitet von herrlicher Soul-Musik der großen BETTYE LaVETTE anzutreten.

Nachsatz: wir haben erst jetzt die Kisten von GÜNTHER KENDL geöffnet und GV Smaragd „Frauenweingärten” 2019, sowie GV Federspiel „Steiger” 2019 entdeckt.  Ein Smaragd um 9,00 und ein Federspiel um 6,00? Was für eine schöne, abschließende Überraschung! Auch das WEINGUT KENDL werden wir bei unserer „Smaragd-Tour” im Mai mit Sicherheit wieder ansteuern!

 

Prieler/Triebaumer - die Hebammen des Weinwunderkinds

Nachdem man nicht alle Tage mit zwei der wichtigsten österreichischen Winzer innerhalb von nur einer halben Stunde zusammen trifft, ohne dies vorher geplant zu haben (uns so geschehen am 14.5. 2013 in Schützen und Rust - Dank sei dem Herrn!) nehme ich diese Zusammenkünfte als Anlaß für ein kurzes Doppelportrait der beiden gentlemen ...

Ernst „ET” Triebaumer und Engelbert „Bertl” Prieler, beide sind Lichtgestalten des österreichischen „Weinwunders”, beide sind bodenständige Winzer mit Herz und beide haben, nachdem sie ihre Weingüter fest im Olymp der internationalen Weinwelt verankerten, ihre Top-Betriebe auch mit in die Hände ihrer Kinder gelegt.

Gaben Engelbert und Irmgard Prieler bereits kurz nach der Übergabe der gemischten Landwirtschaft an sie eben diese auf, und gründeten schon frühzeitig, und damals in der Gegend unüblich, ein reines Weingut, so blieb man bei den Triebaumers der gemischten Landwirtschaft bis heute treu, und neben grandiosen Weinen tummeln sich Mangaliza Schweine am Hof, das Freilandgemüse geht wie die Mangas in die Feinkostproduktion, und ET himself, der Schöpfer des vermutlich legendärsten österr Rotweins - Blaufränkisch Mariental, ist am Hof der Herr über 100 Hendln, und hier nimmt man den Begriff „Freiland” wörtlich!

Die beiden charakterstarken Darsteller haben ebensolche Weine geschaffen, weit entfernt vom - mit Ausnahmen - mittlerweile ins Austauschbare gleitenden großen Rest der österreichischen Spitzen-Betriebe, die natürlich sehr gute Weine höchster Qualität machen, keine Frage, aber eben sehr „stylish”, modern und „für den Markt”! Auf diesen haben ET und Bertl eigentlich immer gepfiffen, IMMER ihre ureigenen Wege eingeschlagen - und Weingeschichte geschrieben. BF Goldberg und BF Mariental sind Monumente.

Beide haben bereits vor dem Weinskandal große Weine geschaffen, der Glykol-„Ausrutscher” anderer Herrschaften und der damit verbundene „Fast-Kollaps” der österreichischen Weinwirtschaft wurde aber von beiden Betrieben als „Gunst der Stunde” genutzt um absolut Vollgas zu geben, und vielen Anderen weit voraus zu eilen. Mit Leuten wie Jamek, Kracher, Stiegelmar, Kollwentz, Pichler bildete man die Phalanx des „österreichischen Weinwunders”, und voll zu Recht können beide sich als die Hebammen dieses Wunderkinds, das jetzt erwachsen wird, bezeichnen. Alles andere ist wohlbekannt oder auf www.prieler.at und www.triebaumer.com nachzuforschen. Tip: Blaufränkisch „Oberer Wald” 2007 von Triebaumer,  und - noch streng geheim - Georg Prieler bringt ebenfalls einen Blaufränkisch Mariental auf den Markt, die Fassprobe vom Dienstag war spektakulär! Somit greift man im Hause Prieler künftig neben dem „Goldberg” mit einem zweiten Flagschiff an!

P.S.: was die Allerwenigsten wissen dürften: ET ist bekennnender Bob Marley-Fan, und Bertl Prieler liebt „meine” irischen Bands und läßt kein „Irish Christmas Festival” in der Cselley Mühle aus! (was uns schon so manche Magnum beschert hat - Verbeugung!)

 

Das große Staunen

Am Dienstag 22.5.2012, nachdem ich meine Sauerstoff-Flaschen gefüllt, Zusatztanks montiert und das Notbiwak gepackt hatte, wagte ich mich endlich an die Expedition zu einem der letzten weißen Flecken auf meiner persönlichen Österreich-Karte - in den sagenumwobenen Seewinkel, genauer nach Andau, noch genauer zum Weingut Scheiblhofer!

Scheiblhofer - oft getrunken, und eben nie besucht, und jetzt steh ich da ... was soll man sagen? WOW ... mehr bräuchte man eigentlich nicht zu sagen, was soll man denn auch wirklich sagen? Was? Zu einem Weingut dessen Juniorchef die website des Hauses mit „Gimme Shelter” von den Rolling Stones als Begrüßungsmusik ausstattet! Zu einem Weingut, dessen Seniorchefin ebenfalls die Stones als Klingelton am Mobilfon installiert hat, und die - HUT AB - echter bekennender Stones Fan ist, nix gefaked! Was man dazu sagen soll? Wenn man vor diesem UFO von „winery” steht und die Stones klingeln hört, und nach dem Weinkosten auch noch die Engel singen hört? Man sagt schlicht: SCHEISS MICH AN! (diverse „Falstaff”-Siege und andere höchste Auszeichnungen seien nur am Rande erwähnt)

Ich habe echt schon viel gesehen am Sektor „moderne Weingüter”, den tollen Umbau der Ibys, den gewaltigen Neubau der Pfneisls, die „state of the art winery” der Heinrichs, den superschönen neuen Betrieb von Markus Iro, moderne Häuser in Australien usw. aber dieses Ding in Andau ist anders, schräg, riesig, halt WOW ... herzlich wird man vom vorbeieilenden Juniorchef Erich begrüßt, und von einer kompetenten Mitarbeiterin in wenigen Sekunden völlig unkompliziert eingewiesen doch selbst zu verkosten „do san de Glasln, do san de Floschn, vü Spaas!”

Na Prost Mahlzeit, es ist ja erst mittags, naja, Wurscht ... und los gehts ... die Produktpalette ist allerdings zu groß um wirklich durch alles zu „fliegen”, also Konzentration auf das „Wesentliche” immerhin noch 9 Weine. Zwischenzeitlich schüttelt auch die Seniorchefin die Hände, im Hintergrund fahren diverse Gabelstapler durch die Hallen, alles sehr offen hier, man zeigt gerne, dass hier wirkliches big business läuft, können sie auch die Scheiblhofers, haben ja auch viele Freunde ... bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft und Politik, auch der ex-Bundespräsi trinkt ihre Tropfen und schaut gerne mal persönlich vorbei, und selbst unser neuer Kaiser bekennt sich zu den Scheiblhoferschen Drogen!

Ein Kommen und Gehen im Verkostungsraum, nicht schlecht für einen Dienstag Mittag, und vor allem hat beim Gehen jeder eine Rodel, oder ein größeres Wagerl zum Auto zu schieben um diverse erworbene Kisten zu laden, und wenn ich nicht noch vor gehabt hätte, in Neusiedl beim „Atelier des Südens” große marokkanische Terrakotta-Töpfe zu kaufen, wäre mein ganzes Budget in der Scheibl-Kassa gelandet. So musste ich geizen und mich mit „nur” drei Kisten begnügen, mein Favorit des Tages war der Zweigelt Prädium, superlässiger Trunk von WELTKLASSE! Es folgte noch ein kurzer Entdeckungsgang durch diverse Verkosträume, Dachterrassen etc., und dann mußten wir weiter, ausserdem warteten meine drei Hunde auf ihren Spaziergang durch die Weingärten.

Meine lieben Scheibis, Ihr seht mich bald wieder

 

Kurz vor dem Ende der Welt (der österreichischen)

Am 31.5. 2012 konnte ich ein weiteres meiner Lieblingsweingüter ansteuern, und wieder ging es in den „Seewinkel”, diesmal allerdings „nur” nach Mönchhof, aber doch wieder „hinter den 7 Bergen, bei den 7 Zwergen” - oder besser „bei den 7 Riesen”, gehört ja auch die Familie Pöckl mit weit über 30 Hektar längst zu den großen Betrieben am Neusiedlersee.

Bei für die Gegend untypischem Schnürlregen biege ich wenige Kilometer nach Gols zum ebenfalls sehr modernen Betrieb der Pöckls direkt in die Weingärten ab, unangemeldet werde ich von der charmanten Chefin Theresa herzlich empfangen. Wir haben auch sofort einen Draht zueinander gefunden und „ratschen” wie alte Bekannte. Auch im Hause Pöckl ist die Palette beeindruckend, hier aber konzentriert man sich voll auf ROT (wie bei Iby in Horitschon). Nach Zweigelt, Blaufränkisch und St.Laurent Classique sticht sofort der riesige Unterschied in der Stilistik zum nur wenige Kilometer entfernten Scheiblhofer hervor. Wo die Scheibi-Weine mit einem wuchtigen Vorschlaghammer „Wumms” machen (was ich persönlich sehr schätze!) umgarnen einen die Gewächse der Pöckls mit einer fragilen Eleganz, und fast schüchterner Verschlossenheit. Sehr beeindruckend, was auf selbem Terroir mit vermutlich ähnlich gepflegtem Traubenmaterial in der Stilistik für Unterschiede möglich sind, und das ist auch der große Bonus der heimischen Winzer! Wein trinken in tu felix Austria wird eben nie langweilig.

Im Top-Segment überzeugen mich einmal mehr „Rosso e Nero” und das Flagschiff des Hauses, der legendäre „Admiral” (Falstaff Sieger 2005) Auch einen „Falstaff Winzer des Jahres” (2004) hat man neben extrem vielen anderen Falstaff-Siegen bereits nach Mönchhof geholt, aber auch  „GaultMilau”, „A la Carte” und andere Medien überhäufen die Pöckls immer wieder mit Bestnoten, und das wirklich wohlverdient!

Kellermeister Rene Pöckl jun. arbeitet ohne Hokus Pokus, eben wie es sich gehört, und belohnt die Konsumenten mit äusserst langlebigen Juwelen, ein Admiral ist gut und gern für 20 Jahre lagerfähig

 

CHARLES SMITH WINES

Meine persönliche Entdeckung des Jahres 2010 ist der amerikanische Kultwinzer CHARLES SMITH. 2009 wurde der Freigeist und Quereinsteiger sogar zum „Winemaker of The Year” in den USA gekrönt, einer der Höhepunkte eines turbulenten Lebens.

Der gebürtige Kalifornier lebte viele Jahre in Europa, managte Rockbands, und verliebte sich über die Jahre in die europäische Kultur, und vor allem den Wein. Zurück in den USA ließ er sich in Walla Walla, Washington, nieder und startete als Audodidakt sein erstes Weingut „K Vinters”. Von Anfang an folgte er seinem Leitspruch „it`s only booze, drink it”, und kreierte monumentale, aber sofort zugängliche Weine, die ab der Stunde 0 mit unverkennbaren Labels von der Design Direktorin von „Levi Strauss & Co.” Rikke Korff, ausgestattet wurden, und eher wie die Schallplatten-Cover einer Rockband daher kommen, als ein Weinetikett.

Auch die Namen seiner Weine sind sehr griffig, seien es der „Boom Boom” Shiraz, der „Kung Fu Girl” Riesling, oder der „Holy Cow” Merlot

Innerhalb weniger Jahre stieg Smith zur Winzer-Legende auf, dessen Top-Geräte dem „Weinpapst” Parker unglaubliche 99 Punkte wert sind!

Ich habe soweit mal die Rotweine seiner neuen Vinery „Charles Smith Wines” verkostet, alle im Bereich von 14.-- bis 22.-- Euro, sofort antrinkbar, keine Karaffe nötig, und ab dem ersten Schluck ein wirkliches Vergnügen. Aktuell warte ich auf den sehr sehr raren „The Hustler” im obersten Smithschen Preisgefüge um 160.-- und auf den Top-Syrah „K Syrah Pheasant Vineyard”. Vom gesuchten „Hustler” wurden nur 6 Barriques gemacht, und er zählt zu den besten Weinen von „K Vinters”, manche Kritiker meinen er zählt zu den besten Weinen der Welt:

„...only the second time The Hustler has been made, this spent 38 months in barrel. All the fruit is sourced from the Morrison Lane vineyard. Port-like and amazingly concentrated, it’s about as far as a dry wine can go and show fruit that is not buried in new oak. Here the fruit is a dark blend of berries and cassis; there is a dense layer of chocolate and earth underneath, with a finish loaded with baking spices. “ This is the best wine I have ever tasted in my life.”  WINE ENTHUSIAST

steiler Abstieg in den Keller von Martin Bergkirchner. Wachau 11.3.2021
Winter-Picknick in der Ried Poigen 11.3.2021
als einziges Auto an Deck bringt uns die Rollfähre blitzschnell nach Spitz. Wachau 11.3.2021
Charles Smith / Walla Walla, Washington-USA