von heimischen und internationalen Erlebnissen

Rotwein-Legende Ernst Triebaumer mit Frau Margarethe und Sohn Herbert

Prieler/Triebaumer - die Hebammen des Weinwunderkinds

Nachdem man nicht alle Tage mit zwei der wichtigsten österreichischen Winzer innerhalb von nur einer halben Stunde zusammen trifft, ohne dies vorher geplant zu haben (uns so geschehen am 14.5. 2013 in Schützen und Rust - Dank sei dem Herrn!) nehme ich diese Zusammenkünfte als Anlaß für ein kurzes Doppelportrait der beiden gentlemen ...

Ernst „ET” Triebaumer und Engelbert „Bertl” Prieler, beide sind Lichtgestalten des österreichischen „Weinwunders”, beide sind bodenständige Winzer mit Herz und beide haben, nachdem sie ihre Weingüter fest im Olymp der internationalen Weinwelt verankerten, ihre Top-Betriebe auch mit in die Hände ihrer Kinder gelegt.

Gaben Engelbert und Irmgard Prieler bereits kurz nach der Übergabe der gemischten Landwirtschaft an sie eben diese auf, und gründeten schon frühzeitig, und damals in der Gegend unüblich, ein reines Weingut, so blieb man bei den Triebaumers der gemischten Landwirtschaft bis heute treu, und neben grandiosen Weinen tummeln sich Mangaliza Schweine am Hof, das Freilandgemüse geht wie die Manags in die Feinkostproduktion, und ET himself, der Schöpfer des vermutlich legendärsten österr Rotweins - Blaufränkisch Mariental, ist am Hof der Herr über 100 Hendln, und hier nimmt man den Begriff „Freiland” wörtlich!

Die beiden charakterstarken Darsteller haben ebensolche Weine geschaffen, weit entfernt vom - mit Ausnahmen - mittlerweile ins Austauschbare gleitenden großen Rest der österreichischen Spitzen-Betriebe, die natürlich sehr gute Weine höchster Qualität machen, keine Frage, aber eben sehr „stylish”, modern und „für den Markt”! Auf diesen haben ET und Bertl eigentlich immer gepfiffen, IMMER ihre ureigenen Wege eingeschlagen - und Weingeschichte geschrieben. BF Goldberg und BF Mariental sind Monumente.

Beide haben bereits vor dem Weinskandal große Weine geschaffen, der Glykol-„Ausrutscher” anderer Herrschaften und der damit verbundene „Fast-Kollaps” der österreichischen Weinwirtschaft wurde aber von beiden Betrieben als „Gunst der Stunde” genutzt um absolut Vollgas zu geben, und vielen Anderen weit voraus zu eilen. Mit Leuten wie Jamek, Kracher, Stiegelmar, Kollwentz, Pichler bildete man die Phalanx des „österreichischen Weinwunders”, und voll zu Recht können beide sich als die Hebammen dieses Wunderkinds, das jetzt erwachsen wird, bezeichnen. Alles andere ist wohlbekannt oder auf www.prieler.at und www.triebaumer.com nachzuforschen. Tip: Blaufränkisch „Oberer Wald” 2007 von Triebaumer,  und - noch streng geheim - Georg Prieler bringt ebenfalls einen Blaufränkisch Mariental auf den Markt, die Fassprobe vom Dienstag war spektakulär! Somit greift man im Hause Prieler künftig neben dem „Goldberg” mit einem zweiten Flagschiff an!

P.S.: was die Allerwenigsten wissen dürften: ET ist bekennnender Bob Marley-Fan, und Bertl Prieler liebt „meine” irischen Bands und läßt kein „Irish Christmas Festival” in der Cselley Mühle aus! (was uns schon so manche Magnum beschert hat - Verbeugung!)

 

Das große Staunen

Am Dienstag 22.5.2012, nachdem ich meine Sauerstoff-Flaschen gefüllt, Zusatztanks montiert und das Notbiwak gepackt hatte, wagte ich mich endlich an die Expedition zu einem der letzten weißen Flecken auf meiner persönlichen Österreich-Karte - in den sagenumwobenen Seewinkel, genauer nach Andau, noch genauer zum Weingut Scheiblhofer!

Scheiblhofer - oft getrunken, und eben nie besucht, und jetzt steh ich da ... was soll man sagen? WOW ... mehr bräuchte man eigentlich nicht zu sagen, was soll man denn auch wirklich sagen? Was? Zu einem Weingut dessen Juniorchef die website des Hauses mit „Gimme Shelter” von den Rolling Stones als Begrüßungsmusik ausstattet! Zu einem Weingut, dessen Seniorchefin ebenfalls die Stones als Klingelton am Mobilfon installiert hat, und die - HUT AB - echter bekennender Stones Fan ist, nix gefaked! Was man dazu sagen soll? Wenn man vor diesem UFO von „winery” steht und die Stones klingeln hört, und nach dem Weinkosten auch noch die Engel singen hört? Man sagt schlicht: SCHEISS MICH AN! (diverse „Falstaff”-Siege und andere höchste Auszeichnungen seien nur am Rande erwähnt)

Ich habe echt schon viel gesehen am Sektor „moderne Weingüter”, den tollen Umbau der Ibys, den gewaltigen Neubau der Pfneisls, die „state of the art winery” der Heinrichs, den superschönen neuen Betrieb von Markus Iro, moderne Häuser in Australien usw. aber dieses Ding in Andau ist anders, schräg, riesig, halt WOW ... herzlich wird man vom vorbeieilenden Juniorchef Erich begrüßt, und von einer kompetenten Mitarbeiterin in wenigen Sekunden völlig unkompliziert eingewiesen doch selbst zu verkosten „do san de Glasln, do san de Floschn, vü Spaas!”

Na Prost Mahlzeit, es ist ja erst mittags, naja, Wurscht ... und los gehts ... die Produktpalette ist allerdings zu groß um wirklich durch alles zu „fliegen”, also Konzentration auf das „Wesentliche” immerhin noch 9 Weine. Zwischenzeitlich schüttelt auch die Seniorchefin die Hände, im Hintergrund fahren diverse Gabelstapler durch die Hallen, alles sehr offen hier, man zeigt gerne, dass hier wirkliches big business läuft, können sie auch die Scheiblhofers, haben ja auch viele Freunde ... bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft und Politik, auch der ex-Bundespräsi trinkt ihre Tropfen und schaut gerne mal persönlich vorbei, und selbst unser neuer Kaiser bekennt sich zu den Scheiblhoferschen Drogen!

Ein Kommen und Gehen im Verkostungsraum, nicht schlecht für einen Dienstag Mittag, und vor allem hat beim Gehen jeder eine Rodel, oder ein größeres Wagerl zum Auto zu schieben um diverse erworbene Kisten zu laden, und wenn ich nicht noch vor gehabt hätte, in Neusiedl beim „Atelier des Südens” große marokkanische Terrakotta-Töpfe zu kaufen, wäre mein ganzes Budget in der Scheibl-Kassa gelandet. So musste ich geizen und mich mit „nur” drei Kisten begnügen, mein Favorit des Tages war der Zweigelt Prädium, superlässiger Trunk von WELTKLASSE! Es folgte noch ein kurzer Entdeckungsgang durch diverse Verkosträume, Dachterrassen etc., und dann mußten wir weiter, ausserdem warteten meine drei Hunde auf ihren Spaziergang durch die Weingärten.

Meine lieben Scheibis, Ihr seht mich bald wieder

 

Kurz vor dem Ende der Welt (der österreichischen)

Am 31.5. 2012 konnte ich ein weiteres meiner Lieblingsweingüter ansteuern, und wieder ging es in den „Seewinkel”, diesmal allerdings „nur” nach Mönchhof, aber doch wieder „hinter den 7 Bergen, bei den 7 Zwergen” - oder besser „bei den 7 Riesen”, gehört ja auch die Familie Pöckl mit weit über 30 Hektar  längst zu den großen Betrieben am Neusiedlersee.

Bei für die Gegend untypischem Schnürlregen biege ich wenige Kilometer nach Gols zum ebenfalls sehr modernen Betrieb der Pöckls direkt in die Weingärten ab, unangemeldet werde ich von der charmanten Chefin Theresa herzlich empfangen. Wir haben auch sofort einen Draht zueinander gefunden und „ratschen” wie alte Bekannte. Auch im Hause Pöckl ist die Palette beeindruckend, hier aber konzentriert man sich voll auf ROT (wie bei Iby in Horitschon). Nach Zweigelt, Blaufränkisch und St.Laurent Classique sticht sofort der riesige Unterschied in der Stilistik zum nur wenige Kilometer entfernten Scheiblhofer hervor. Wo die Scheibi-Weine mit einem wuchtigen Vorschlaghammer „Wumms” machen (was ich persönlich sehr schätze!) umgarnen einen die Gewächse der Pöckls mit einer fragilen Eleganz, und fast schüchterner Verschlossenheit. Sehr beeindruckend, was auf selbem Terroir mit vermutlich ähnlich gepflegtem Traubenmaterial in der Stilistik für Unterschiede möglich sind, und das ist auch der große Bonus der heimischen Winzer! Wein trinken in tu felix Austria wird eben nie langweilig.

Im Top-Segment überzeugen mich einmal mehr „Rosso e Nero” und das Flagschiff des Hauses, der legendäre „Admiral” (Falstaff Sieger 2005) Auch einen „Falstaff Winzer des Jahres” (2004) hat man neben extrem vielen anderen Falstaff-Siegen bereits nach Mönchhof geholt, aber auch  „GaultMilau”, „A la Carte” und andere Medien überhäufen die Pöckls immer wieder mit Bestnoten, und das wirklich wohlverdient!

Kellermeister Rene Pöckl jun. arbeitet ohne Hokus Pokus, eben wie es sich gehört, und belohnt die Konsumenten mit äusserst langlebigen Juwelen, ein Admiral ist gut und gern für 20 Jahre lagerfähig

 

CHARLES SMITH WINES

Meine persönliche Entdeckung des Jahres 2010 ist der amerikanische Kultwinzer CHARLES SMITH. 2009 wurde der Freigeist und Quereinsteiger sogar zum „Winemaker of The Year” in den USA gekrönt, einer der Höhepunkte eines turbulenten Lebens.

Der gebürtige Kalifornier lebte viele Jahre in Europa, managte Rockbands, und verliebte sich über die Jahre in die europäische Kultur, und vor allem den Wein. Zurück in den USA ließ er sich in Walla Walla, Washington, nieder und startete als Audodidakt sein erstes Weingut „K Vinters”. Von Anfang an folgte er seinem Leitspruch „it`s only booze, drink it”, und kreierte monumentale, aber sofort zugängliche Weine, die ab der Stunde 0 mit unverkennbaren Labels von der Design Direktorin von „Levi Strauss & Co.” Rikke Korff, ausgestattet wurden, und eher wie die Schallplatten-Cover einer Rockband daher kommen, als ein Weinetikett.

Auch die Namen seiner Weine sind sehr griffig, seien es der „Boom Boom” Shiraz, der „Kung Fu Girl” Riesling, oder der „Holy Cow” Merlot

Innerhalb weniger Jahre stieg Smith zur Winzer-Legende auf, dessen Top-Geräte dem „Weinpapst” Parker unglaubliche 99 Punkte wert sind!

Ich habe soweit mal die Rotweine seiner neuen Vinery „Charles Smith Wines” verkostet, alle im Bereich von 14.-- bis 22.-- Euro, sofort antrinkbar, keine Karaffe nötig, und ab dem ersten Schluck ein wirkliches Vergnügen. Aktuell warte ich auf den sehr sehr raren „The Hustler” im obersten Smithschen Preisgefüge um 160.-- und auf den Top-Syrah „K Syrah Pheasant Vineyard”. Vom gesuchten „Hustler” wurden nur 6 Barriques gemacht, und er zählt zu den besten Weinen von „K Vinters”, manche Kritiker meinen er zählt zu den besten Weinen der Welt:

„...only the second time The Hustler has been made, this spent 38 months in barrel. All the fruit is sourced from the Morrison Lane vineyard. Port-like and amazingly concentrated, it’s about as far as a dry wine can go and show fruit that is not buried in new oak. Here the fruit is a dark blend of berries and cassis; there is a dense layer of chocolate and earth underneath, with a finish loaded with baking spices. “ This is the best wine I have ever tasted in my life.”  WINE ENTHUSIAST

Charles Smith / Walla Walla, Washington-USA